Im Herbst 2017 fuhr eine Gruppe von 40 Personen aus Wuppertal wegen des 30 jährigen Städtepartnerschaftsjubiläum nach Matagalpa/Nicaragua. Es war dabei der Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal Andreas Mucke, ein kleiner Chor von 5 Personen, Vertreter*innen des Städtepartnerschaftsvereins und die Band „Knapp Daneben“, die mit der Band „Tierra Madre“ aus Matagalpa/Jinotega kooperierte. Es gab eine große Festveranstaltung im Oktober 2017 in Matagalpa und anschließend eine Tournee zusammen mit „Tierra Madre“ mit Konzerten in Jinotega, Managua (Ruta Maya und Deutsche Schule), am Strand in Playa el Coco und in Granada in der Casa de los tres mundos.
Aaron Mucke – gleichzeitig Gitarrist in der Band – hat einen wunderbaren Film zur Musik auf dieser Reise gemacht.
In Nicaragua an Graphiken für einen Kalender zu arbeiten, ist zur Zeit alles andre als leicht. Einige aus der Gruppe TALLERCONTIL sind immer noch im Ausland oder so nichtöffentlich wie möglich. Wie überleben, wenn die Wirtschaft am Boden liegt und sich politisch nichts bewegt? Gerade in dieser Situation ist die Frage nach dem guten Leben subversiv. Die zwölf Farbholzschnitte sprechen davon, und auch die dazu geschriebenen oder gefundenen Gedichte und Texte.
»Es waren die Studenten, die sich Gedanken über das
Vaterland machten, es waren die Bücher, die laufen lernten, denen sich der
Tyrann gegenübersah«. Dieser Auszug stammt vom 25-jährigen Jandir Rodrígues,
der zu dem Song »Héroes de Abril« (Helden des April) von den studentischen
Protesten im April 2018 in Nicaragua inspiriert wurde.
Als Medizinstudent entschied er sich an den Protesten teilzunehmen, um gegen
die Sozialreformen zu protestieren und die Wiedereinrichtung des
Autonomiestatus der Universität einzufordern. An diesem Tag wurden die
Studenten von Sympathisanten der Regierung Ortegas attackiert und Jandir suchte
mit anderen Protestierenden Schutz in der Kathedrale von León.
Einen Monat später komponierte Jandir sein Lied »Héroes de Abril«, das sich
gegen das autoritäre Regime in seinem Land wendet. Bereits am Folgetag war es
in allen sozialen Medien zu hören. Heute ist sein Lied das bekannteste in
Nicaragua, das mit den Protesten in Zusammenhang gebracht wird. Doch seine
Bekanntheit hatte auch zur Folge, dass sich Jandir ständig Bedrohungen
ausgesetzt sah. Er nutzte daher die Chance einer Einladung nach Guatemala, wo
er seit Dezember 2018 lebt.
Nun ist Jandir Rodrígues auf Europatournee durch Spanien, Dänemark, Schweden,
Deutschland und Italien und wird im Simonz – nicht nur mit seinen Liedern –
über die Situation in Nicaragua berichten.
Mittwoch 5.6.2019 um 19.30 Uhr im Katholischen
Stadthaus, 42103 Wuppertal, Laurentiusstraße
Nicaragua steckt seit dem vergangenen Jahr in
einer schweren politischen und inzwischen auch wirtschaftlichen Krise. Die
Regierung um den ehemaligen Revolutionsführer Daniel Ortega kann sich nur noch
mit Hilfe von Gewalt und Einschüchterung an der Macht halten. Auch der zweite
Versuch eines politischen Dialogs zur Lösung der Krise ist bislang daran
gescheitert, dass die Regierung ihre Versprechen
nicht in die Tat umsetzt. In einer Gesprächsrunde wollen wir an diesem Abend
die Gründe hierfür und mögliche Perspektiven erkunden.
mit
Dr. Ernesto Medina
Mitglied
der Verhandlungsdelegation der Alianza Cívica , die in den
letzten
Wochen versuchte, durch einen nationalen Dialog eine Lösung der schweren Krise
zu erreichen. Dr. Medina studierte in den 1970er Jahren Chemie in Göttingen und
gründete damals eines der ersten Solidaritätskomitees mit dem Widerstand gegen
die Diktatur der Familie Somoza. Später war er lange Jahre Rektor der
Universität in Leon und danach bis Dezember 2018 Rektor der Privatuniversität Universidad Americana (UAM) in
Managua.
Dr. h.c.Hermann Schulz Schriftsteller
und ehemaliger Verlagsleiter des Peter Hammer Verlages in Wuppertal. Als
solcher lernte er wichtige Schriftsteller und Persönlichkeiten des Landes wie
Ernesto Cardenal, Sergio Ramirez oder Gioconda Belli kennen und machte ihre
Stimmen in Deutschland bekannt. Er gilt als ausgewiesener Kenner Nicaraguas und
war im Februar letzten Jahres zum letzten Mal dort.
Barbara Lucas
langjährige Mitarbeiterin im Informationsbüro Nicaragua, wird über die Aktivitäten
zur Unterstützung der Protestierenden sowie der politischen Gefangenen aus
unserer Partnerstadt Matagalpa berichten.
Heiner Flötotto
Vorsitzender
des Städtepartnerschaftsvereins Wuppertal – Matagalpa